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Donghuachun Friseursalon
Donghuachun Friseursalon
Titel
Donghuachun Friseursalon (Deutsch)
Dōnghuáchūn lǐfàtīng (Chinesisch)
東華春理髮廳 (Chinesisch)
Veröffentlichung
Taiwan 5 Kapitel in 1 Band (26.03.2010)
Deutschland 5 Kapitel in 1 Band von Chinabooks (04.2018)
Genres Drama und Slice of Life
Autor Ruan Guangmin
Links Leseprobe auf Chinabooks (PDF vom 05.06.2018)
Rührend erzählt
Inhalt
Der Mann A-Hua führt einen Friseursalon, der durch seine Eltern einst aufgebaut wurde. Im Alter von zehn Jahren wird A-Hua jedoch zum Scheidungskind und seine Mutter muss hart für den Lebensunterhalt arbeiten. Seit zwanzig Jahren führt er bereits den Friseursalon und hat mit A-Dun einen Mitarbeiter, auf den er sich verlassen kann und der bei den Kunden beliebt ist. Doch wie viele Menschen, hat auch er einst in der Vergangenheit einen Fehler begangen, der eigentlich nicht wiedergutzumachen war. Diese dunkle Erinnerung bleibt innerhalb der verschworenen Gemeinschaft dieser Stadt unausgesprochen, obwohl jeder von ihrer Existenz weiß: ein offenes Geheimnis. Plötzlich ändert sich alles im Leben A-Huas und er wird wieder mit seinem Vater konfrontiert, denn plötzlich steht eine junge Frau vor seiner Tür: Seine Schwester, Yülan. Nun beginnt die Zeit der Aufarbeitung.

Zeichnungen
Die Handlung wird anfangs farbig gerahmt und vermittelt uns einen ersten Eindruck der Hauptpersonen. Wir sehen zu Beginn Yülan, wie sie am Meer steht. Später sind die Zeichnung in schwarz/weiß gehalten. Die Stimmung wird durch Schattierungen oder das Abdunkeln der Panels verändert. Die Figuren sind sehr erwachsen und realistisch gestalten und unterstützen die doch sehr ernste Handlung. Trotzdem gibt es humorvolle Einschübe, die mir ein Schmunzeln auf das Gesicht gezaubert haben. Durch die individuelle Gestaltung der Charaktere, die sogar an den Nebenfiguren positiv auffällt, kann man trotz der recht kurzen Auftritte eine Beziehung zu diesen aufbauen. Besonders amüsiert haben mich die älteren Herrschaften, die regelmäßig in den Salon kommen, Lebensweisheiten erzählen oder einen Schwank aus ihrer Jugend. Wunderbar ist auch der Kontrast der Figuren zu einander. A-Hua wirkt verbraucht, ein wenig sinister, aber trotzdem wie ein Mann, mit dem man Pferde stehlen könnte. Seine Kleidung ist nicht sehr modisch und seine Einstellung zum Leben wirkt eher traditionell. Im Gegensatz dazu seine kleine Schwester Yülan, die mit ihrer Jugend, Schönheit und ihrem Kleidungsstil in der Stadt auffällt. Sie wirkt wie aus einer anderen Welt und fühlt sich zunächst auch so. Es ist schön zu sehen, dass der Autor ästhetische Kontraste in der Geschichte setzt, um nicht nur die gesellschaftlichen Unterschiede der Charakter darzustellen. Auch die Mimik der Hauptfiguren zeigt oft das Nachhängen an der Vergangenheit oder den Schmerz, den diese ausgelöst hat. Im Laufe der Geschichte ändert sich auch der Ausdruck auf den Gesichtern und jeder verarbeitet auf seine Weise das Erlebte. Auf vielen Seiten kommt die Geschichte auch ganz ohne Text aus und vermittelt rein durch Zeichnungen die Gefühle.

Text
Beim Lesen des deutschen Textes ist mir positiv aufgefallen, dass der Übersetzer versucht hat, die Umgangssprache zu erhalten und den Charakteren anzupassen. Oft gelingt das gerade aus asiatischen Übersetzungen nicht so gut, da es viele Floskeln und Unterscheidungen in den Umgangsformen mit bestimmten Personen gibt (Ältere, Jüngere, Kinder). Einige Ausdrücke wurden übernommen und erklärt (z.B. Ojisan) und fügen sich sehr gut in den Text ein. In den Panels finden sich auch längere Texte, die mehr Details zu den Charakteren verraten, als Rückblenden dienen oder das Innerste offenbaren. Dadurch ergibt sich ein Wechselspiel, das die Geschichte gestalterisch unterstützt und nicht langwierig erscheinen lässt. Unterteilt ist das Buch in zwei Bereiche, den chinesischen Part und den Deutschen, wobei die Lesung traditionell von „hinten nach vorne“ und von oben rechts nach links erfolgt. Beide sind sehr hochwertig gedruckt. Der Aufbau ist nicht wie bei den zweisprachigen Reclam-Klassikern, dass eine Seite auf Deutsch und die andere auf Chinesisch ist, sondern eine klare Trennung der Werke. Als ich an der Uni einen chinesisch Kurs gemacht habe, hätte ich dieses Buch gut gebrauchen können. Beim Durchblättern des chinesischen Teils sind mir Schriftzeichen aufgefallen, an die ich mich noch erinnern konnte. Äußerst praktisch finde ich, dass Chinabooks Vokabellisten zu einigen Büchern anbieten. Man kann also ganz bequem den chinesischen Teil lesen und die unbekannten Zeichen nachschlagen.

Fazit
Bei der Geschichte ist es wichtig, dass wir den kulturellen Hintergrund betrachten. Wir müssen im Auge behalten, dass es im asiatischen Raum nicht unüblich ist, dass sich die älteren Geschwister im Todesfall um die Jüngeren kümmern. Bei A-Hua und Yülan handelt es sich um Halbgeschwister, die fast nichts voneinander wissen und nun auf einander treffen. Sie teilen einen gemeinsamen Vater, den jeder von den beiden anders in Erinnerung hat. A-Hua sieht ihn größtenteils als den Verräter, der die Familie einfach verlassen hat. Seine positiven Erinnerungen an ihn sind wenige. Yülan hat ihren Vater als Vater erlebt und besitzt damit etwas, das A-Hua sein ganzes Leben lang fehlen wird. Wie versöhnt man sich nun mit seinem einzigen lebenden Blutsverwandten und wie lernt man einander ohne Vorurteile kennen? Dieser Graphic Novel behandelt das Thema äußerst glaubhaft und nicht wie in einer Seifenoper mit Schmalz und Kitsch. Neben Auseinandersetzungen gibt es auch zaghafte Annäherungen, die die Geschwister in der Kulisse des Friseursalons auch manchmal vor den Kunden austragen. Mit viel Ernst und Glaubwürdigkeit wir hier das Thema des Friedensschlusses zwischen den Geschwistern aufgegriffen. Das Buch besitzt nicht nur literarischen Wert, sondern kann auch ein guter Lehrer für Chinesisch sein. Ich habe mühevoll versucht langweilige Zeitschriften auf Chinesisch zu lesen, um mein Vokabular zu halten, was ich aber aufgegeben habe, weil mir der Anreiz gefehlt hat. Beim Lesen dieser Geschichte habe ich direkt wieder Lust darauf bekommen, meine Vokabeln aufzufrischen und mir mehr Bücher aus dieser Reihe zu bestellen. Die Geschichten sind dabei so alltäglich wie das Leben und deshalb auch so authentisch. Es gibt nichts unglaubwürdiges, sondern nur Gefühle und Emotionen, die das Geschehen in eine Richtung lenken. Beachtet wird dabei auch die Vergangenheit der Menschen und die Frage, ob jeder eine zweite Chance verdient hat und wie lange Schuld und Sühne andauern müssen. Ein wenig wirkt der Aufbau der Erzählung wie eine Kurzgeschichte. Wir werden unvermittelt mit den Charakteren konfrontiert und geraten mitten in ihr Leben. Zwar erfahren wir einiges aus ihrer Vergangenheit und erhalten ein zufriedenstellendes Ende, doch wir erfahren nichts weiter über die Zukunft. Wir erhalten das Gefühl, dass alles wieder gut wird und werden kann, wenn man sich auf bestimmte Veränderungen einlässt. Dies gibt Raum für Spekulationen. Mir persönlich gefällt es, wenn mir eine Geschichte noch etwas nachhängt – vor allem die Charaktere und ich mir über ihre Entwicklung Gedanken machen kann. Aber das ist auch eine meiner persönlichen Eigenarten, denn ich gehöre nicht zu den Lesern, die unbedingt eine abgeschlossene Geschichte benötigen, damit ihnen etwas zusagt. Der Grafic Novel hat bereits stolze 210 Seiten (insgesamt ca. 430) und das ist genügend, um eine sehr runde Story zu erzählen, die vielleicht der ein oder andere Leser durchaus nachvollziehen kann, weil er, aus was für Gründen auch immer, sich in einer ähnlichen Situation befindet oder befunden hat. Zu diesen Lesern gehöre ich und es war ein bisschen, als würde ich ein Stück aus meinem eigenen Leben lesen. Wer chinesisch lernt oder lernen möchte, der ist bei diesem Verlag sehr gut aufgehoben. Ich werde die Bücher auf jeden Fall im Auge behalten und in den Semesterferien mein Chinesisch wieder auffrischen.

verfasst am 05.06.2018 von SunFish
Bewertung

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